Die Berliner kamen bereits in den Genuss der „Dame mit dem Hermelin“ – nun sorgt sie in London für einiges Aufsehen. Der vielleicht berühmteste Maler der Geschichte, Leonardo da Vinci, schuf dieses Gemälde wohl zwischen 1489 und 1490. Die Auftragsarbeit entstand in der Mitte seiner Mailänder Jahre im Dienst des Regenten und späteren Herzogs Ludovico Sforza, genannt „il Moro“, und nun dürfen sich alle Londoner auf der Jahrhundert-Ausstellung der National Gallery daran erfreuen.
Der göttliche Maler
In Verbindung mit Leonardo da Vinci ist vor allem Florenz als Stadt seines künstlerischen Reifeprozesses allen Kunsthistorikern ein Begriff, doch war es erst der Mailänder Hof, der es dem unehelichen Sohn eines Notabeln vom Lande ermöglichte, das unglaubliche Genie zur vollen Pracht heranwachsen zu lassen, von dem er bereits in seinem Bewerbungsschreiben von 1482 ganz unbescheiden sprach. Genau diese Zeit in Mailand macht nun die National Gallery, die ihren Fokus auf die Jahre von 1482 bis zum Sturz des Herzogs 1499 legt, zum Thema einer imposanten Ausstellung. Kein Maler ist heutzutage so bekannt wie Leonardo da Vinci und seine Bilder sind so selten, so rar und so begehrt, dass die Ausstellung in London völlig zu Recht als Jahrhundertereignis betrachtet werden darf. Seine Mona Lisa, die im Louvre in Paris zu sehen ist, wurde zu einem Synonym für Kunstmalerei und er selbst zu einer Art Popstar. Überall, zum Beispiel im Internet auf Seiten wie kunstkopie.de, kann man sich Nachdrucke und Kopien seiner Werke bestellen, zudem beschäftigen sich zahlreiche Filme, Bücher und andere Kunstwerke mit Leonardo da Vinci. Die Sammlung, die momentan Halt in London macht, ist natürlich ein garantierter Publikumsmagnet, zumal sie sich nicht in der Versammlung von Werken erschöpft, die teils noch nie gemeinsam zu sehen waren, sondern weil sie nach Meinung vieler Kunstkenner ihren Gegenstand geistig regelrecht durchdringt.
Qualität über Quantität
Lediglich neun Gemälde werden den Besuchern in der Ausstellung dargeboten. Einige der Bilder sind erst vor Kurzem Leonardo zugeschrieben worden und zum Teil sind die Werke noch nicht einmal fertiggestellt. Zu den relativ neu entdeckten Werken gehört auch das „Salvator Mundi“, das Bild Christi als omnipotenter Herrscher über das Erdenreich, das sich als einziges Leonardo-Werk in Privatbesitz befindet und eine so umstrittene, ungesicherte und mysteriöse Geschichte hinter sich hat, dass einige Kunstexperten ernsthafte Zweifel an der Legitimität des Gemäldes haben. Zusätzlich ist das Bild zu einem nicht unerheblichen Teil ruiniert und eigentlich nur noch ein Zeitzeugnis denn ein Kunstwerk. Trotzdem faszinieren diese Bilder und ist die Zeitreise in die Renaissance für viele Besucher ein spannendes Erlebnis.

